Buntschatten & Fledermäuse – in der Welt eines Autisten

Wenn er über Fliesen wischelt, ist das dreimalgut, körperlichen Schmerz nimmt er als „Anwesenheit“ des betroffenen Körperteils wahr und überhaupt – wie sehen Leseratten aus?

Zugegeben, es ist nicht das neueste Buch – aber es wurde von mir neu entdeckt. Axel Brauns hat mich ganz persönlich darauf aufmerksam gemacht, als er in einer TV-Sendung über Autismus in überaus beeindruckender Art und Weise auftrat. Das Buch hatte hervorragende Kritiken im Internet, also wurde es bestellt, angefangen – und nur mehr ungern zur Seite gelegt.

Ehrlich gesagt habe ich schon mehrere Bücher hinter mir, die besondere Menschen beschreiben. Menschen, die die Welt auf ihre ganz eigene Art wahrnehmen. Aber dieses Buch hat mich erstmals so richtig in die Welt eines Autisten – in die Welt des Kindes Axel Brauns – eintauchen lassen. In einer unglaublichen Intensität schafft er es, seine Wahrnehmung so zu schildern, dass die für uns reale Welt komplett in den Hintergrund tritt. Wir erleben seine Kindheit tatsächlich aus seiner Perspektive – wenn Axel wischelt, würde man am liebsten mitmachen und es ist natürlich auch ganz logisch, dass das Verrücken (ver:rücken?) von Möbelstücken deswegen so problematisch ist, weil ihnen dann ein Teil entrissen wird, der untrennbar zu ihnen gehört: die Abdrücke im Teppich. Ganz klar ist auch, dass die Buntschatten und Fledermäuse Worte wirklich seltsam gebrauchen – wenn sie etwa fragen, ob das Knie brenne bei Iodgabe oder meinen, man sei eine Leseratte.

Axel Brauns Buch zeigt, dass der Alltag wie Schule, Freunde und Familie zwar durchaus vorhanden und verstanden bzw. erlernt waren/wurden, dass die Bedeutung aber eine ganz andere war und vermutlich auch noch ist, als es bei einem Menschen der Fall wäre, der nun mal eben kein Autist ist.

Das Einzige, was mir ein wenig Kopfzerbrechen bereitet, ist, dass ich das Wort Näpfchen wie Axel Brauns von Anfang an wirklich dreimalgut fand und seine Freude darüber, dass er es gleich auf der ersten Seite einbauen konnte, ehrlich mit ihm teilen konnte…

(Foto: Marcus Quigmire)

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