Ein Katzerl fürs Schatzerl? Jedem Kind sein Haustier.

Ihr Kind bettelt seit Wochen und Monaten, dass es gerne ein Haustier hätte, aber Sie haben Angst, dass wohl Sie es sein werden, der sich dann darum kümmern muss? Sie haben nicht ganz Unrecht. Aber ist das ein Grund, dem Kind vielleicht wertvolle Erfahrungen nicht zu ermöglichen?

Das Thema „Haustiere für Kinder“ ist ein so intensiv diskutiertes, dass es mittlerweile jede Menge Studien darüber gibt. Überwiegender Tenor: Tiere sind gut für die Entwicklung des Kindes. Eine Erkenntnis, die bekanntlich bereits vielfach in Form von tierunterstützten Therapieprogrammen in die Praxis umgesetzt wird. Hunde, die Kindern helfen, Ängste zu überwinden, vernachlässigte und misshandelte Kinder, die durch das Betreuen eines hilflosen Tieres wieder etwas Selbstbewusstsein bekommen, behinderte Kinder, die volles Vertrauen zu „ihren“ Pferden haben – all das sind Meldungen, die wir immer wieder erfreut zur Kenntnis nehmen. Und doch überlegen wir, ob wir es wirklich auf uns nehmen sollen, ein Haustier anzuschaffen.

Gleich einmal eines vorweg: Ja, die Hauptverantwortung für ein Haustier tragen immer die Eltern. Dabei gilt folgende „Faustregel“: Je größer das Tier, umso mehr Arbeit bleibt an den Erwachsenen „hängen“, je älter das Kind, umso mehr hilft es bei der Pflege mit. Überlegen Sie sich also gut, welches Tier Sie sich anschaffen, denn ein Hund bedeutet zum Beispiel wesentlich mehr Aufwand als ein Meerschweinchen. Dennoch ist die oft vorherrschende Meinung, Kinder würden prinzipiell nach kurzer Zeit das Interesse an ihrem neuen Mitbewohner verlieren, laut dem Münchener Institut für Jugendforschung nicht richtig: Eine repräsentative Erhebung ergab, dass die kleinen und großen tierischen Freunde inklusive ihrer Pflege mit 66 Prozent auf Platz eins der Interessensskala lagen – noch vor allen anderen Hobbies wie etwa Sport, Musik oder Fernsehen.

Doch was soll ein Haustier dem Kind nun wirklich bringen, wenn es keine therapeutische Betreuung nötig hat? Ganz einfach: Haustiere fördern die Entwicklung von Kindern in Sachen Einfühlungsvermögen und Toleranz, Geduld, Verantwortungs- und Pflichtgefühl.

Ein paar konkrete Beispiele:

  • Im Spiel mit dem Haustier lernen Kinder, Ängste zu überwinden, was ihr Selbstbewusstsein stärkt. Außerdem finden sie ihre eigenen Grenzen heraus – so werden sie etwa die Erfahrung machen, dass ein Tier sich eher weigert, einem Wunsch Folge zu leisten, wenn es angeschrien oder beschimpft wird.
  • Das eigene Haustier ist oft einer der besten Freunde des Kindes, der alle Geheimnisse erzählt bekommt und für sich behält – ob es dabei nun um den Streit mit den Eltern oder schlechte Noten geht.
  • Kinder lernen recht bald, dass das Haustier von ihnen abhängig ist und nehmen diese Verantwortung wahr. So sind sie auch durchaus bereit, das eine oder andere Mal eigene Wünsche zu Gunsten ihres Haustieres zurück zu stecken.
  • Durch die Liebe und den Respekt zum eigenen Tier bekommt das Kind außerdem schon früh eine positive Einstellung zu Tieren und ist auch im Erwachsenenalter eher dazu bereit, mit der Natur sorgsam umzugehen.

Was bedeutet das alles für die Entwicklung des Kindes? Einer holländischen Studie zu Folge sind Kinder, die eine enge Beziehung zu einem Haustrier haben, durchschnittlich intelligenter und lernen leichter als ihre Alterskollegen. Sie sind oft umgänglicher und neigen seltener zu depressivem oder aggressivem Verhalten als Gleichaltrige ohne Tier, können in der Regel auf ihre Mitmenschen besser eingehen und sind selbstbewusster und toleranter. Eine Untersuchung an Jugendlichen zeigte weiters, dass Teenager mit Haustier ein höheres Selbstbewusstsein als jene ohne Haustier aufwiesen.

Abgesehen von der Bedeutung für die Entwicklung eines Kindes gibt es noch eine weitere – gesundheitliche – Komponente, die durch eine Studie der Universität Cambridge belegt wurde: Tiere machen gesund. Wird das eigene Haustier gestreichelt, beruhigt sich der Pulsschlag, Herzfrequenz und Blutdruck sinken, der Kreislauf stabilsiert sich, Stress wird abgebaut. Auch auf die allgemeine und die psychische Verfassung wirkt ein Haustier stabilisierend, sodass Haustierhalter seltener krank werden und weniger Medikamente benötigen. Außer natürlich, sie sind ausgerechnet gegen das jeweilige Tier allergisch…

Welches Tier für welches Kind?

Hunde sind geeignet für Familien mit Kindern ab fünf Jahren. Sie helfen besonders ängstlichen und schüchternen Kindern. Sie werden etwa 15 Jahre alt und brauchen täglich Bewegung und Spiel.

Katzen werden für Kinder ab etwa sechs Jahren und vor allem für hyperaktive Kinder empfohlen. Sie werden durchschnittlich 16 Jahre alt und brauchen täglich viel Aufmerksam und Steicheleinheiten.

Meerschweinchen sind ebenfalls geeignet für Kinder ab sechs Jahren. Sie sind schnell zahm, gutmütig, gesellig, anhänglich, beißen nicht und werden bei guter Pflege sogar sechs bis acht Jahre alt. Wichtig: Sie brauchen einen Partner.

Fische eignen sich nicht nur für Kinder, sondern auch für gestresste Menschen. Sie sind recht pflegeleicht: Ein bis zwei Mal täglich Füttern und alle zwei Wochen Aquariumsreinigung genügen. Achten Sie darauf, dass die Fische in ihrem Aquarium zusammenpassen und sich nicht gegenseitig auffressen.

Wellensittiche sind für Kinder ab acht Jahren passend und sind auch für sogenannte „Problemkinder“ empfehlenswert. Sie sind meist fröhlich, gesellig, anhänglich und sprachbegabt und werden im Schnitt zwölf Jahre alt. Sie brauchen einen Partner oder sehr viel Zuwendung und sollten zumindest ein Mal täglich frei fliegen können.

(Foto: That Guy, From That Show!)