Mut zu Gerechtigkeit und Frieden – Remembrance Day in Brandenburg

Jedes Jahr am 11. November um 11 Uhr wird in Großbritannien mit einer Schweigeminute den Kriegstoten gedacht und die Königin legt einen Kranz aus Mohnblumen am nationalen Mahnmal in London nieder. Im ganzen Land finden zur gleichen Zeit ähnliche Zeremonien statt und als immer wiederkehrendes Symbol tritt dabei die Mohnblume („Poppy“) auf – eine Erinnerung an die Schlachtfelder der Westfront in Flandern, auf denen roter Mohn blühte, und in denen viele britische Soldaten ihr Leben ließen. In London werden außerdem am „Remembrance“-Wochenende in der der Nacht auf Sonntag öffentliche Gebäude (blut-)rot angestrahlt.

Auch außerhalb des Commonwealth wird den Gefallenen gedacht, so etwa in Stahnsdorf südlich von Berlin. Mehr als 1770 Soldaten des Vereinigten Königsreichs von Großbritannien, die in den brandenburgischen Internierungslagern umgekommen waren, wurden hier bestattet. Auch während der DDR-Zeit stand dieser Teil des Friedhofs unter britischer Verwaltung, was für die Bevölkerung Stahnsdorfs bedeutete, „den Feind mitten im Herzen“ zu haben, obwohl das Areal nicht extraterritorial war. „Besonders war es trotzdem“, erzählt eine Besucherin des hiesigen „Remambrance Days“. Dennoch war es nicht erwünscht, dass man dem Friedhof zu nahe kam, und so erinnern sich die Einwohner daran, wie sie sich im Gebüsch bis zu den dicken Kordeln vorgewagt und neugierig die Rolls Royces bewundert hätten – ungeachtet dessen, dass manch einer deswegen unangenehme Befragungen über sich ergehen lassen musste.

Heute gehen die Einwohner zum „Act of Remembrance“, weil es dazu gehört, aus Anteilnahme, vielleicht aus Neugierde. Viele haben eine künstliche Mohnblume angesteckt, während sie dem britischen Militärattaché Richard Wakefield zuhören, der sich bei ihnen bedankt: „Wir sehen es als etwas Besonderes an, dass Sie diesen Gedenktag mit uns begehen“. Wakefield rief vor der Zeremonie dazu auf, doch lieber allen Opfern aller Kriege zu gedenken. Und Pater Wolfgang Felber, der den Gedenkgottesdienst rund um die Kranzniederlegungen abhielt, ging noch einen Schritt weiter und zog die Parallele zur aktuellen Flüchtlingskrise: „Auch hier ist der Wert eines Menschenlebens nicht hoch. Namenlose Flüchtlinge sterben im Mittelmeer, im Krieg starben namenlose Soldaten an der Front, nur einzelne Bilder rütteln uns hoch, geben der Tragödie ein Gesicht. Eine Zeremonie wie diese hier sollte uns in Menschen mit Mut für Gerechtigkeit und Frieden verwandeln, sodass die vielen Opfer, damals und heute, nicht vergebens sind. Wofür sonst sollte eine solche Zeremonie gut sein.“

 

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